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[Blogparade] Von meiner mehrtägigen Radtour mit Kleinkind

Es ist schon merkwürdig…

…wenn mich heute jemand fragt, wie ich damals auf die Idee kam satte 300km mit dem Rad an der Nordsee lang zu fahren, kann ich darauf keine Antwort mehr geben. Die Idee war plötzlich einfach da und musste umgesetzt werden – unbedingt und am besten sofort! Dabei hatte ich einige Jahre zuvor meine Liebe zum Rad schon fast aus den Augen verloren.

Vielleicht lag es daran, dass ich nun im Besitz eines hochwertigen Rades, samt Kinderradanhänger war und: auf einmal schien alles möglich! ALLES! Sobald ich auf dem Fahrrad saß fühlte ich mich frei. Keine Hektik mehr, um den Bus noch zu erreichen und keine endlose Suche mehr nach einem Parkplatz… Die Strecken zur Stadtbücherei und die kleineren Radtouren in die Umgebung reichten bald nicht mehr. Dass ich völlig untrainiert war und viel Gepäck dabei haben würde, ignorierte ich so gut es ging. Wobei ich damals zu meinen Kollegen scherzhaft meinte: „Ihr könnt mich sowieso nach den ersten zwei Tagen einsammeln. Es ist Herbst und es wird regnen und das wird mich nerven…“

Die Tagesstrecken wurden nach Bauchgefühl bestimmt, die Unterkünfte entlang der Strecke nach Verfügbarkeit ausgesucht. Wie viele Gastgeber sich noch heute anstellen, wenn man nur für eine Nacht bleiben möchte, hat mich überrascht. Trotzdem hörte ich auch am Telefon schon viele ermutigende Stimmen. Und wirklich überall konnte ich mein Rad samt Kinderanhänger angemessen unterbringen.

Es geht los – sieben Hürden sind zu nehmen

In diesem Moment, jetzt wo ich den Text schreibe, wird mir klar, wie mutig ich damals war. Schließlich würde ich auf mich gestellt sein. Und das erstaunt mich heute noch, pusht mein Selbstbewusstsein und motiviert mich. Doch um darüber schreiben zu können, musste es erstmal los gehen. Und es waren einige Hürden zu nehmen!

  • das Gepäck: was kommt mit und was bleibt hier? Wieviel Spielzeug braucht das Kleinkind im Anhänger, um nicht vor Langeweile einzugehen? Und braucht er wirklich Gummistiefel?
  • die Anreise: alleine mit Kleinkind, Rad, Radanhänger und Gepäck mit der Bahn zum Ausgangspunkt anreisen. Keine leichte Übung, da ich aus Kostengründen auch keine Direktverbindung wählen konnte.
  • den Weg finden: ehrlich, mein Orientierungssinn lässt deutlich zu wünschen übrig. Dreh mich einmal im Kreis und ich weiß nicht mehr wo ich bin… direkt am Meer ist es ja einfach, immer gerade aus und die Beschilderung des Nordseeradweges ist echt top. Aber meine Unterkünfte waren oft etwas abseits und ein GPS-Gerät oder Navi waren nicht im Gepäck.
  • die Kondition: trotz kleinerer Radtouren daheim, war meine Kondition schlicht weg nicht vorhanden.
  • Probleme mit den Unterkünften: plötzlich kam ein Anruf, ich war schon mehrere Tage unterwegs, dass es ein Versehen mit der Buchung gab. Das Zimmer sei schon anders verplant… ätzend.
  • „Schafsperren“ auf dem Deich: etwas wichtiges hatte ich nicht bedacht. Es gibt auf den Deichen Sperren für die Schafe, damit sich die Herden nicht vermischen etc. Und diese Sperren sind mitten auf dem Radweg – da musste ich also durch, mit einem breiten Radanhänger.
  • das Wetter: es hat geregnet – jeden Tag! Wirklich jeden Tag! Egal um wieviel Uhr wir aufgebrochen sind, wir wurden am Vormittag mindestens einmal nass.

Die Radtour hat unser Leben bereichert!

Mein Sohn, damals noch Kleinkind, hatte es diesen Sommer schwer. Er wollte und sollte endlich Rad fahren lernen, aber der Knoten wollte einfach nicht platzen. Seine Angst war zu groß. Es kann so viel passieren! Trotzdem war der Wille da und ein großes Ziel steht seit dem im Raum: eine große gemeinsame Familienradtour. So wie damals, nur dass er selbst mit dem Rad fährt und sein kleiner Bruder im Anhänger sitzt. Die Tour hat also unser Leben bereichert, denn nichts von meinen Befürchtungen und Ängsten ist eingetroffen. Wir sind einfach über uns hinaus gewachsen.

  • Das Ausmaß des Gepäcks hat sich als genau richtig herausgestellt. Statt sperriger Pappbilderbücher kamen Pixibücher mit. So hatte mein Sohn eine riesige Auswahl bei gleichem Packmaß. So fielen auch die schweren Gummistiefel nicht mehr so auf.
  • Ich bin trotz Anreise mit der Bahn heile angekommen – einige nette Passanten haben mir geholfen!
  • Ohne Navi und GPS-Gerät habe ich den Weg gefunden – immer! Die Beschilderung des Nordseeküstenradwegs ist einfach klasse!
  • Auch wenn ich anfangs schnell aus der Puste war – nach einigen Kilometern hab ich meinen Rhythmus gefunden und es lief einfach.
  • Kein Bett für heute Nacht? Zum ersten Mal jemandem freundlich aber bestimmt mitteilen, was ich von der Art einer solchen Unternehmungsführung halte und das er für Ersatz sorgen soll. Schließlich brauche ich für das Kind und mich ein Bett! Hat geklappt!
  • Die Schafsperren… wir haben durchgepasst. Manchmal nur mit einer Abkupplung vom Rad und viel Gezerre. Aber wir passten durch.
  • Nach zwei, drei Tagen war auch das Wetter keine Herausforderung mehr. Schließlich wussten wir nun, dass unsere Ausrüstung wirklich wasser-und winddicht ist. Und mein Sohn fand die fliegenden Regentropfen an seinem Anhänger einfach gut.

Die Zeit zu zweit war wirklich herrlich, hat uns zusammen geschweißt, uns ein kleines Stück der Welt gezeigt. Wir haben gelernt, dass viele Passanten hilfsbereit und neugierig sind. Wir haben viele Gespräche mit anderen Eltern geführt, die wir unterwegs getroffen haben. Wir haben Anerkennung von völlig fremden Menschen erhalten und wir haben gelernt mit wirklich wenig auszukommen. Wir wurden von ein paar Gastgebern mit einem vorbereiteten Abendessen überrascht, weil wir doch bei der Ankunft bestimmt hungrig wären… und vor allem: wir haben das Meer erlebt, bei Wind und Wetter. Einfach herrlich!

Wir würden es wieder tun!

PS: dieser Beitrag ist Teil der Blogparade von Julia!

4 Replies to “[Blogparade] Von meiner mehrtägigen Radtour mit Kleinkind”

  1. Also Natalie – ein bisschen erkenne ich mich in deiner Einleitung wieder – aber trotzdem hast du meinen größten Respekt!!!

    Ich bin mit 8-13 Jahren total gern Rad gefahren – einfach so den Feldweg hoch und runter. Dann ist es eingeschlafen und irgendwann, als das Fahrrad mich täglich zum Reiten fuhr, wollte ich plötzlich unbedingt 400 km zu meinem Vater radeln als Herausforderung. Der hat mir das aber verboten… also Planänderung: Als ich 17 war ging es mit meinem Bruder (12), meiner Schwester (14) und meinem Freund (17) zu meinem Onkel – 210 km in vier Tagen. Das war ein tolles Erlebnis. Deswegen sind meine Schwester und ich ein Jahr später auch noch mal 235 km nach Wolfsburg gefahren. Aber mit einem Kleinkind wie bei dir ist das alles ja noch mal wesentlich anstrengender und aufwändiger.

    Zum Gepäck: Wir hatten jeder einen großen Rucksack und keine Gepäckträger – damit die Schultern am Tagesende auch ordentlich schmerzen. Anreise: Wir sind immer zu Hause losgefahren und haben dann einfach zurück die Bahn genommen – und strandeten dabei sogar mal mitten im Nirgendwo, weil Schienenersatzverkehr die Heimfahr verhinderte. Der Vater meiner Schwester musste uns retten. Weg finden: Karte aus Google Maps ausgedruckt und meist leider nur an Bundes- und Landstraßen lang gefahren… Jetzt würde ich mir vorab geegnete Radwege raussuchen, da gibt es ja an den Flüssen lang ganz schöne 😉
    Kondition: beim ersten Mal vorher wegen Meniskusreizung 6 Wochen Sportverbot gehabt und während der Fahrt Schmerzmittel genommen, damit die Schmerzen im Knie erträglich bleiben 😉 Aber dei Tour 2 war ich fit. Doof war beim ersten Mal nur, dass mein Bruder noch unfitter war und mein Freund total unterfordert mit 60-70 km am Tag :/
    Unterkünfte: Vorab gebucht, gab nie Probleme und wegen einer Nacht hat auch niemand gemeckert. Komischerweise hat es sogar reibungslos geklappt, als wir alle minderjährig waren.
    Wetter: Ich hatte immer mehr Hitze, als einem lieb ist. 25-35 Grad, Sonne. Mitten im Sommer – es war toll 🙂

    Beschilderte Radwege sind echt toll – wir haben leider hier in der Gegend aber auch welche, von denen man zu leicht abkommt 🙁 Und dem Herrn, der die Buchung vergeigt hat, hätte ich auch ordentlich die Meinung gegeigt. Ich weiß noch, wie ich den Bahservice unfreundlich zur Sau machte, weil sie uns da haben stranden lassen… ich fühlte mich doch verantwortlich für meine Schwester und wollte nicht, dass sie an einem Bahnhof übernachten muss!

    Hatte jeder von euch einen Anhänger? Das stelle ich mir für das Gepäck echt nicht schlecht vor… aber mit Rucksack geht es auch. Was da alles mitdarf und was nicht, habe ich dieses Frühjahr ja sogar verbloggt 😉

    Lese ich das richtig? Du warst ohne Danni mit deinem Sohn unterwegs? Das ist ja cool – so eine Mama-Kind-Sache. Daran werdet ihr dann sicher ewig gern zurückdenken. Und das mit der Anerkennung kenne ich von solchen Aktionen auch 😉 Für deinen Sohn war das sicher besonders toll, oder?

    • Hallo Tabea,
      vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Mag sein, dass dein Stil bereits ein wenig auf mich abgefärbt hat. Jedenfalls sind wir uns da wohl nicht so ganz unähnlich, auch was manche Gedankengänge angeht… hahahha. Ich mag deine Posts einfach sehr gern und lese deinen Blog regelmäßig (auch wenn ich nicht immer einen Kommentar da lasse *hust)
      Ja, du liest richtig – ich war ohne den Papa unterwegs mit meinem Sohn und der war in dem Anhänger. Für das Gepäck (inkl. Windeln) blieben also nur zwei Radtaschen und der „Kofferraum“ des Anhängers.
      Es war wirklich eine wunderbare Zeit, dem ich danach auch ein gesonderstes Fotoalbum gewidmet habe. Da stöbern wir noch heute gerne drin rum. Es war eine der schönsten Zeiten in meinem Leben. Vielleicht hat mein Sohn, falls er mal Kinder hat, ebenfalls soviel „Mut“ um mit ihnen einfach loszufahren.
      Ich schau bei dir auch wieder vorbei!
      Liebe Grüße,
      Natalie

  2. Liebe Natalie,
    vielen lieben Dank für diesen schönen Beitrag zu meiner Blogparade! Das ist ja wirklich eine tolle Geschichte und klingt nach einem klasse Abenteuer – für dich und einen Sohn! Toll, dass du das einfach gewagt hast. Es klingt auf jeden Fall nach Spaß und Freiheit und ein bisschen ansteckend ist es auch. Eine Fahrradtour könnte ich mir nun auch besser vorstellen als kleine Auszeit.
    Ist die nächste Tour denn schon geplant?
    Ganz liebe GRüße
    Julia

    • Hallo Julia,
      schön, dass dir unser Beitrag gefällt! Und du den Weg schon hergefunden hast. 😉
      Unsere nächste Tour ist leider noch nicht geplant – noch ist der Kleinste der Runde unter einem Jahr alt und könnte sich nach der langen Sitzerei im Anhänger nicht einfach mal „die Beine vertreten“. Aber die nächste Tour wird schon „erträumt“. 😉
      Liebe Grüße,
      Natalie

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