Dauerhaft kitafrei leben – warum nur?

Kitafrei leben – dauerhaft und freiwillig

Kinder kitafrei aufwachsen zu lassen, kann sich in unserer Gesellschaft kaum jemand vorstellen. Zumindest nicht dauerhaft und freiwillig. Ich kenne beide Seiten: mein erstes Kind ging (selbstverständlich) in die Krippe, danach in den Kindergarten und dann natürlich in die Schule. Zwischen beiden Kindern liegen ein paar Jahre und eine Menge Erfahrungswerte. Ich möchte niemanden verurteilen, weil es ohne Kita scheinbar nicht geht. Aber ich möchte unsere Geschichte erzählen. Um zu zeigen, dass es manchmal eben doch anders, nämlich kitafrei, geht und dann auch noch wahnsinnig schön sein kann!

Update – 17-06.2020
Während ich in diesem Artikel also nur über unsere ganz persönlichen Beweggründe schreibe, gibt es hier einen Blogartikel, in dem ich über ganz allgemeine Gründe schreibe, warum es gut sein kann, selbst zu betreuen. 

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Wie es zu dieser Entscheidung kam

„Nun bist du wohl im klassischen Rollenmodel gefangen…“, dieser Satz war vielleicht gar nicht verletzend gemeint. Aber er kam sehr schmerzend an, mitten in meinem Herzen hat er sich festgekrallt. Ja, wir leben das klassische Rollenmodel – eine Entscheidung, die wir uns nicht einfach gemacht haben. Das „klassische Rollenmodel“ bedeutet nämlich meistens auch, auf ein zweites geregeltes Einkommen zu verzichten. Doch dahinter steckt noch so viel mehr und ich bereue diese Entscheidung nicht!

Wie gesagt, die Entscheidung, die Kinder möglichst viel selbst zu betreuen, haben wir nicht leichtfertig getroffen und, um ehrlich zu sein, erst nach einer gescheiterten Kita-Eingewöhnung. Hausfrau und Mutter zu sein und zwar ausschließlich Hausfrau und Mutter zu sein, konnte ich mir lange Zeit nicht vorstellen. (Jetzt habe ich (fast) drei Jahre so gelebt und es geliebt!)

Während der (stressigen) Eingewöhnung, fragte ich mich immer öfter, warum es ganz selbstverständlich und gesellschaftlich anerkannt ist, dass fremde Personen, zumeist Frauen, auf mein Kind aufpassen. Während dieser Betreuung würde ich selbst wiederum auf fremde Kinder aufpassen, da ich Sozialarbeiterin bin. Warum gilt es als „unprofessionell“, wenn ich als Mutter selbst auf meine Kinder achte? Warum fehlt die Akzeptanz, wenn ich selbst den Haushalt, das Windeln wechseln und die Gestaltung von Aktionen übernehme? Und (vielleicht noch wichtiger) will ich überhaupt, dass meine Kinder den ganzen Tag professionell begleitet werden?

Immer im Herzen: unser älterer Sohn

Im Hinterkopf und im Herzen trug ich darüber hinaus immer den Gedanken an unseren großen Sohn mit, der jederzeit erneut Probleme mit dem Herzen bekommen könnte und dann sofort seine Familie um sich herum benötigt, Patchworksituation hin oder her. Gefangen bin ich, für mein Empfinden, als Hausfrau und Mutter, also nicht. Ich bin frei! Frei um für meine Kinder da zu sein, wenn sie mich wirklich brauchen und nicht erst nach Feierabend. Frei, um selbst zu entscheiden, was meine Kinder erleben, wo und wie wir den Tag verbringen. Unabhängig vom institutionellem Rahmen, vom Ort und unabhängig vom Wetter.

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Ich liebe unser Familienmodel!

Klar, den Staub zu wischen gehört nicht zu meinen Lieblingsaufgaben und die Fenster putze ich auch nicht wöchentlich. Dafür nehme ich mir jede Menge Zeit zum Spielen, zum Lachen und Kuscheln. Wir haben jeden Tag Zeit für kleine Abenteuer und dicke Bücher. Wir haben Zeit, um einfach mal so mit dem Bus in die Stadt zu fahren, ohne genaues Ziel, einfach weil es Spaß macht. Wir haben Zeit für einen Schrebergarten und für selbstgebackene Kekse. Sind diese Momente und Werte heutzutage nichts mehr wert?

Doch! Diese Momente sind eine Menge wert! Sie sind so viel wert, dass wir uns als Familie langfristige Wege suchen und gehen, um möglichst viel von zu Hause aus arbeiten zu können – flexibel und in der unmittelbaren Nähe der Familie.

All diese Momente sie es mir wert, dass ich von Fremden, wie auch Bekannten und Freunden den einen oder anderen Spruch einstecke. Denn, glaubt mir, gehört habe ich über unsere Selbstbetreuung schon eine Menge – nur noch nicht, dass es toll ist, sich so viel Zeit für die eigenen Kinder zu nehmen.

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4 Kommentare bei „Dauerhaft kitafrei leben – warum nur?“

  1. Klasse geschrieben – alles Gute für Euch. Lg

    1. Vielen Dank für dein Lob! 😉
      Euch auch alles Gute,
      Natalie

  2. Sehr schöner und interessanter Artikel! 🙂

    1. schmackofazzo sagt: Antworten

      Liebe Maisie, vielen Dank für das Lob!

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