Es gibt keine Schönrednerei

Ganz realistisch gesehen kosten Kinder Geld. Das ist ein unumstößlicher Fakt, den bereits jeder kennt, der über (eigene) Kinder nachdenkt. Und da gibt es meines Erachtens keine Schönrednerei. Neben den Kosten für die Erstausstattung, Windeln, Lebensmitteln und Kleidung entstehen Kosten für Versicherungen, Lebensversicherungen, ggf. eine größere Wohnung und eben auch laufende Kosten für die Fremdbetreuung der Kleinen. (Die Kosten für die Fremdbetreuung schwanken zwar stark von Stadt zu Stadt, sind aber selten völlig gratis.) Und ja, die Kosten für die Fremdbetreuung entfallen bei Selbstbetreuern, wie wir es sind.

Auch Selbstbetreuung kostet Geld – viel Geld

Denn statt andere Menschen für die Betreuung unseres Kindes zu bezahlen, übernehmen wir die Betreuung selbst. Das nennt sich Selbstbetreuung und spart zunächst eine Menge Geld ein. Diesen Punkt übersieht merkwürdigerweise niemand, mit dem ich darüber spreche, dass wir (nach einem schwierigen Kitastart beschlossen) unser zweites Kind selbst betreuen. Was aber keiner sieht: auch die Selbstbetreuung kostet Geld – viel Geld! Eigentlich bin ich nicht der Typ Mama, die sich vor anderen Müttern rechtfertigen muss und will. Doch die Sache mit dem Geld nervt und zwar ganz gewaltig. Irgendwie trifft genau diese Art der Kritik meinen Nerv. Wie oft konnte ich mir schon denkwürdige Kommentare anhören – von teilweise völlig fremden Müttern, denen ich zum ersten Mal im Spielkreis begegnete. Und durch ein wenig Surfen erfuhr ich, dass der empörte Satz „Das muss man sich leisten können“, so wie es bereits Anna hier erzählt, nicht nur mir begegnete.

Selbstbetreuung bedeutet in den meisten Fällen, dass ein zweites Einkommen entfällt

Doch warum kostet Selbstbetreuung nun Geld? Ganz einfach: ein zweites Einkommen entfällt! Durch die Selbstbetreuung gehe ich keiner Berufstätigkeit mehr nach. Nicht nur durch das Fehlen meines eigenen Einkommens kostet uns die Selbstbetreuung Geld – auch meine Altersvorsorge muss nun komplett selbst finanziert werden. Ich zahle nicht mehr in das Rentensystem ein. Ich bin jetzt „Hausfrau und Mutter“ in Vollzeit, weil ich auf mein Bauchgefühl gehört habe. Und genau dafür werde ich von anderen Familien beäugt und kritisiert.

Wir sind jetzt eine „one income-Family“ und das ist gut so – für uns

Unser zweites Kind selbst zu betreuen habe ich noch keinen Moment bereut – im Gegensatz zu all den Minuten, die wir mit der Eingewöhnung verbracht hatten. Unser erstes Kind war übrigens in einer ganz wunderbaren Krippe – seit seinem neunten Lebensmonat. Und auch diese Entscheidung bereue ich nicht. Jedes Kind und jeder Umstand ist anders. Trotzdem würde ich mir weniger Verurteilungen und Vorurteile gerade unter uns Familien wünschen. Ich kenne beide Seiten: fremd- und selbst betreuen. Alles aus ganz unterschiedlichen Gründen und keinen einzigen möchte ich verurteilen. Dennoch, ich wünsche mir mehr Verständnis für Mütter wie mich, die statt Geld in eine Fremdbetreuung zu investieren, auf ein (eigenes) Einkommen verzichten. Durch den Verzicht auf eigenes, bzw. ein zweites Einkommen, verändert sich die finanzielle Situation gewaltig. Wir sind jetzt eine „one income-Family“ – und sind zufrieden mit dieser Situation! Unser Familienleben ist entspannt und ohne Druck.  Ja, wir müssen das ein oder andere Mal mehr rechnen, ob wir uns dies oder jenes noch genauso wie „früher“ leisten können. Doch eine bestimmte Frage stellen wir ganz gewiss nicht: ob wir uns unsere Kinder leisten können!

  • Einen ganz anderen Blick auf Selbstbetreuung und die Sache mit dem Geld hat übrigens Jufie vom Familiengarten.
  • Darüber, dass Eltern wie wir oft für unsere Entscheidung „kitafrei“ zu leben kritisiert werden, berichtete hier bereits die FAZ.



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